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Die lutherranische Gemeinde von Neudorf

 

 

 

Altar der Kirche in Neudorf 1902

    (Slawatytsche-Neudorf, Neudorf-Neubrow, nach 1928-Mostize). Zur lutherranischen Gemeinde Neudorf gehörten zwei Kolonien beidseitig des Flusses Bug südlich der Stadt Brest (später auch Orte in Wolhynien) mit Kirche in Neudorf.

   Die Siedlung Neudorf war von deutschstämmigen Siedlern - so genannten Bugholländern (vorwiegend aus Preußen) in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf den Ländereien des Grafen Leschtschinski (Leszczynski) Altar der Kirche in Neudorf 1902gegründet worden.

   Die lutherische Gemeinde wurde 1617 gegründet und eine Kirche mit Pfarrhaus gebaut. Erster bekannter Pastor war Jonas Columbus aus Sachen. Neudorf-Neubrow wurden 1648 bei einem Überfall der ukrainischen Kosaken zerstört. Ca. 70 Einwohner wurden getötet, weil sie nicht zum orthodoxen Glauben wechseln wollten. Nach der Verwüstung blieb in Neudorf nur eine Kapelle. Die Gemeinde gehörte jetzt zum Kirchspiel Peski bei Lüblin. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie von den Pastoren aus Wengrow betreut.


   1670 erhielt Neudorf von Graf Leschtschinski zusätzlich 45 Morgen Land für einen Pastor. Weil seitens der katholischen Machthaber ein Heubau einer Kirche verboten war, finanzierte Gräfin Prazmowska 1690-1694 den Neubau einer Kapelle unter dem Vorwand der Renovierung der alten Kapelle.1709 und 1712 war Kanzler desGrossherzogtums Litauen Karl Stanislaus Radziwill neuer Neudorfer Kirche von aussen. Anfang des 20. JahrhundertsFinanzbeauftragter.


   1776 erschien der erste gedruckte Teil der Chronik:-Historia ecclesiae Neoburchdorffensis alias Slavatycensis. 1777-78 wurde mit Hilfe von Karl Radziwill eine neue Kirche erbaut und am 15.11.1778 der Heiligen Dreifaltigkeit geweit. Im 18. Jahrhundert wurde Neudorf Kirchspiel, dazu gehörten Lüblin, Peski, Zamostje und Kamenez-Podolski (Lüblin nur bis 1791). Trotz der anfänglichen Zugehörigkeit zum protestantischen Preussischen König schloss sich das Kirchspiel Neudorf späterer Lutherischen Kirche des Grossherzogtums Litauen an. 1784 wurde Neudorf per Entscheid der Lutherischen Synode des Grossherzogtums Litauen dem Kirchspiel Sluzk angeschlossen. Am 8.10.1793 wurde die Gemeinde Neudorf wegen innerer Zerstrittenheit, von dem Kirchengericht des Lutherischen Konsystoriums zur Buße verurteilt. Ab 1832 gehörte Neudorf zum Konsystorium Kurland. Ab 1858 gehörte die Lutherische Gemeinde von Brest zum Kirchspiel Neudorf.Die Blaskapelle der Gemeinde Neudorf 1928

Neudorfer Kirche von aussen. Anfang des 20. Jahrhunderts

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ersetzte in der Kirche in Neudorf die polnische Sprache vollständig die deutsche Sprache. Im gebrauch waren- Postilla Chrzescianska von S. Dombrowski, Kancyonal Pruski und andere Ausgaben in polnischer Sprache aus Ostpreussen, Schlesien und Kurland. Weil es keine polnischsprachige Pastoren im Konsystorium Kurland gab, Wurden die im 19. Jahrhundert aus Polen geladen. Die versuche 1868-72 die deutsche Sprache in Neudorf einzuführen, schlugen fehl. Als Umgangssprache bei den Bugholländern diente der so genannte Nadbuzanski Dialekt.

Die Blaskapelle der Gemeinde Neudorf 1928

 

Aus Landmangel siedelten ein teil der Bugholländer aus Neudorf am Anfang des 20. Jahrhunderts in das Uralgebiet und Sibirien (Russland). 1911 zählte die Gemeinde Neudorf Ca. 4000 Personen. Nach dem 1. Weltkrieg gehörte sie zu der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens. 1928 wurde Neudorf in Mostize umbenannt. Ab August 1939 gehörte Neudorf zur UdSSR, und die Einwohner waren gezwungen nach Deutschland oder weiter von der Grenze in die UdSSR umzusiedeln. 1941 wurde die Kirche von Neudorf endgültig zerstört.

    Nach dem 2. Weltkrieg wohnen die Nachkommen der Bugholländer in Deutschland, Polen, Sibirien und einzelne in Weissrussland.
 

 
Literaturhinweise:
 

   Schultz, E. H. Kronika zboru ewangelicko-luterskiego Nejdorfskiego. Zwiastun Ewangeliczny, 1902.

 

    Kneifel, E. Die Evangelisch-Augsburgischen Gemeinden in Polen, 1555-1939. Eine Parochialgeschichte in Einzeldarstellungen.  Vierkirchen, Selbstverlag [1972].

 

     Lichtbilder aus dem Archiv des Lutherischen Konsystoriums Warschau.

 

() Nikolaj Pachkaev, 2005
 

 

 

Der Artikel wurde für das Projekt Enziklopedie des Grossherzogtums Litauen geschrieben, in der er leider mit falschen Korrekturen gedruckt war. Hier der Originaltext. Die Erlaubniss des Autors liegt uns vor.

 

Übersetzung Alexander Schewske

 

 


      Hinweise zum Thema:

www.bughollaender.de/    www.hueneburg-online.de/     http://www.wolhynien.de/

 http://www.luteranie.pl/lublin/historia/hist09.php   http://tnn.pl/tekst.php?idt=183&f_2t_artykul_trescPage=1

www.kamunikat.fontel.net/www/czasopisy/spadczyna/2003-1/13.htm     www.datcanin.livejournal.com/18673.html#cutid1

http://lutheranica.at.tut.by/biblio/lut-hist3bl.htm    http://lutheranica.at.tut.by/biblio/lut-hist2bl.htm

http://slawatycze-gmina.pl/index.php?strona=info&id=33


 

 

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